26.06.2017

Kombikraftwerke vergüten!

In die Debatte um flexible Mechanismen zur Netzintegration von erneuerbaren Energien hat Hans-Josef Fell erneut den Vorschlag einer festen Vergütung für Kombikraftwerke eingebracht. Im Interview mit der Zeitschrift Solarthemen sagte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen und heutige Präsident der Energy-Watch Group: „Wir haben die große Möglichkeit, innerhalb des EEG genau die Aktivitäten anzureizen, die in der Lage wären, schon dezentral vor Ort das zu erfüllen, was das Gesamtsystem braucht. Das kann man mit einer Kombikraftwerks-Einspeisevergütung machen. Dabei ist dem Investor freigestellt, welchen erneuerbaren Mix aus Kraftwerken und Speichern er nutzt. Er muss nur die Bedingung erfüllen, ganzjährig viertelstundengenau 100 Prozent erneuerbare Energie für das Netz oder den Eigenbedarf herzustellen.“

Während im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin derzeit eine vermutlich umfangreiche Verordnung für so genannte Innovationsausschreibungen vorbereitet wird, mit der für ein kleines Marktvolumen versuchsweise zahlreiche Bedingungen für besonders netz- und systemdienliche Anlagen definiert werden sollen, besticht Fells Vorschlag durch seine sehr einfache Struktur. Fell sagt: „Als Kom­bikraftwerksvergütung kann heute schon 10 Cent pro Kilowattstunde ausreichen. Damit würde eine starke Dynamik entstehen. Es würde genau das passieren, was wir brauchen: Von unten dezentral vernetzt über tausende von Akteuren wird der Ausgleich der Schwankungen organisiert. Das ist ein ganz anderer Ansatz als der planwirtschaftliche, es von oben zu diktieren.“

Auf die Frage, ob die Kombikraftwerksvergütung die bisherigen Vergütungsmodell in seinen Augen ganz ersetzen solle, sagte Fell: „Wir brauchen auch noch die klassischen Vergütungen für die einzelnen Investitionen, um den Markt zu stützen. Aber wenn wir dann nach drei oder vier Jahren sehen, dass eine echte Dynamik entsteht, dass die Innovation und die Investitionstätigkeit so stark geworden ist, dass es selbsttragende Effekte gibt, dann kann man darüber nachdenken, die klassischen Vergütungen zurückzufahren und es nur noch bei dieser kombinierten Vergütung zu belassen.
Dahinter steckt viel Innovationskraft. Man muss Power to Gas, Power to Heat, Power to Traffic nutzen, sonst bekommen wir den Überschussstrom lokal gar nicht unter. Somit hätten wir über die Kombikraftwerksvergütung gleich auch die Sektorenkopplung geschaffen.“

Das volle Interview, in dem Fell sich auch zu anderen Themen, insbesondere Alternativen zur derzeitigen Förderpolitik, äußert, lesen Solarthemen-Abonnenten hier.

Text, Foto und Interview: Guido Bröer

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