19.09.2017

Interview mit Prof. Dr. Claudia Kemfert: „Solarenergie wird diskreditiert”

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Sie ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance und Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Das fossile Imperium schlägt zurück“ befasst sie sich mit der Lobbypolitik etablierter Kraftwerksbetreiber.

Solarthemen: Ihr neues Buch trägt den Titel „Das fossile Imperium schlägt zurück“. Ist das nicht übertrieben?

Claudia Kemfert: Es wäre übertrieben, wenn man den offiziellen Verlautbarungen glaubt, dass alle die, die angeblich die Energiewende wollen und sich für den Klimaschutz engagieren, dies tatsächlich anstreben. Die Taten sehen aber ganz anders aus. Fakt ist: Die Energiewende ist erfolgreich, zu erfolgreich. Global fließen deutlich mehr Investitionen in erneuerbare als in fossile und atomare Energieerzeugung. Zudem sinken die Kosten der Erneuerbaren kontinuierlich weiter. Dagegen sind immer mehr Unternehmen, die mit der Kohle verbunden sind, in finanzieller Schieflage, müssen sogar Insolvenz anmelden oder erhalten Subventionen. Das gefällt den Unternehmen, die in diesen Bereichen ihr Geld verdienen, nicht. Doch statt sich auf die neue Welt einzustellen und ihre Geschäftsmodelle anzupassen, schlagen sie zurück. Gerade in den USA ist das momentan sehr sichtbar, wo sie ihre politischen Handlanger mit Klimaskeptikern und ehemaligen Bossen von Ölunternehmen gefunden haben, die in den höchsten politischen Ämtern platziert wurden. Und mittels einer rückwärts gewandten Energiepolitik will man den Erfolg der Energiewende abwürgen. Auch in Deutschland wundert man sich über so manche politische Entscheidung: Erneuerbare Energien bekommen eine Ausbaubremse, Kohlekraftwerke „Abwrackprämien“, Stromleitungen werden überdimensioniert geplant. Anstelle von Gespensterdebatten um angebliche Kosten erneuerbarer Energien und fehlende Stromleitungen sollte man doch die dezentrale Energiewende voranbringen.

Auch die Solarindustrie sieht sich Anfeindungen ausgesetzt, zumindest werden politische Beschlüsse so in der Branche erlebt.

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Interview: Andreas Witt

Foto: DIW