22.11.2017

Bögl fährt Produktion im Windturmwerk Sengenthal herunter

Solarthemen+plus. Aufgrund schlechter Zukunftsaussichten für den Windkraftausbau in Bayern reduziert Max Bögl die Betonturm-Fertigung am Unternehmensstammsitz.

„Wegen 10H und wegen verunglückter Ausschreibungsregeln mussten wir in Bayern unsere Fertigung für die Windkraft in unserem Werk für Windmast-Betonteile in Sengenthal einstellen“ sagte Michael Bögl, einer der Chefs der Max Bögl Firmengruppe, am vergangenen Freitag in seiner Rede zur Eröffnung des größten Waldwindparks Bayerns in den Gemeinden Raitenbuch (Mittelfranken) und Schernfeld (Oberbayern). Das hörte sich sehr endgültig an und überraschte viele Zuhörer. Denn das Bögl-Werk war erst vor wenigen Jahren eingeweiht worden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war damals Ehrengast. Von Sengenthal aus werden vor allem Beton­segmente für Bögl-Hybridtürme nach Süddeutschland und ins umgebende Ausland geliefert.

In einer Stellungnahme korrigierte die Max Bögl-Gruppe allerdings jetzt gegenüber der Solarthemen-Redaktion, das Unternehmen halte an der Produktion von Windkrafttürmen im bayerischen Sengenthal fest. „Wir haben die Produktion in Sengenthal lediglich vorübergehend heruntergefahren“, stellte Michael Bögl klar. „Es ist jedoch kein Abbau von Arbeitsplätzen geplant, da wir unsere Produktionskapazitäten (Facharbeiter und Produktionsstätten) in anderen Unternehmensbereichen wie z. B. für den seriellen Wohnungsbau mit unserem Produkt „maxmodul“ sehr gut einsetzen können. (…) Wir sind zudem zuversichtlich, dass der Bedarf an hohen Windenergietürmen in den nächsten ein bis zwei Jahren wieder ansteigen wird. Sobald sich die Auftragslage ändert, kann die Produktion mit den vorhandenen Facharbeitern und Produktionsstätten wieder hochgefahren werden.“ Auf Nachfrage erklärte eine Unternehmenssprecherin, die Fertigung sei mitnichten auf Null heruntergefahren worden, sondern es werde laufend weiter produziert, allerdings bei weitem nich in dem Maße wie in den vergangenen Monaten.

In der Stellungnahme heißt es weiter, momentan arbeite das Unternehmen an der Weiterentwicklung des Hybridturmkonzepts für Nabenhöhen bis 190 Metern und an einer Optimierung der Transportlogistik für einen leichteren Transport der Turmelemente per LKW, Bahn und Schiff. Insgesamt blicke die Max Bögl Wind AG trotz herausfordernder Rahmenbedingungen optimistisch in die Zukunft. „Wir fokussieren uns derzeit stark auf die Internationalisierung. Hier sehen wir großes Potenzial“, sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Bögl. „Ein erstes internationales Projekt startet Anfang 2018 mit der mobilen Fertigung in einem Windpark in Thailand.“ Und auch der deutsche Markt werde wieder anziehen, ist sich das Unternehmen sicher. „Schließlich können wir unsere Klimaschutzziele nicht ohne den Ausbau der Windkraft erreichen“, betont Stefan Bögl.

Das Unternehmen hatte bereits im August auf die schwierigen politischen Rahmenbedingungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 hingewiesen und gewarnt: Sollten die neugeschaffenen Rahmenbedingungen des EEG nicht schnellstmöglich durch die Politik wieder korrigiert werden, sehe die Firmengruppe Max Bögl eine nachhaltige Schwächung des Innnovationsstandorts Deutschland im Bereich der erneuerbaren Energien und eine Gefährdung der zukünftigen Ausbauziele in Deutschland.

Text: Heinz Wraneschitz/Guido Bröer, Foto: Heinz Wraneschitz

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