Gepumpte Sonne – Heizen mit Photovoltaik?

„Sonne macht Strom – Pumpe macht Wärme!“ Während jetzt im Herbst die Tage kürzer werden, trommelt die renommierte Energieagentur NRW mit diesem Radiospot für das Heizen mit Photovoltaik und Wärmepumpe. So einfach ist das also. Dann heizen wir doch alle unsere Häuser demnächst mit Photovoltaik!
Schade nur, dass Bundes-Energieminister Sigmar Gabriel dann sein nagelneues Grünbuch „Ein Strommarkt für die Energiewende“ wird neu schreiben müssen. Sage und schreibe 60 Gigawatt an Kraftwerks-Überkapazität konstatiert das Grünbuch derzeit im Bereich Deutschlands. Braucht man angesichts dieser gewaltigen Überkapazitäten wirklich für die Energiewende einen Kapazitätsmarkt, wie ihn sich nicht zuletzt die fossile Energiewirtschaft wünscht, um ihren immer seltener ausgelasteten Kraftwerkspark zu finanzieren? Eigentlich brauche man den Kapazitätsmarkt wohl nicht, kann man zwischen den Zeilen von Gabriels Grünbuch lesen. Denn wenn die überflüssigen Kraftwerke erst einmal stillgelegt seien, dann werde der klassische Strommarkt – freilich gründlich reformiert – die notwendige Ergänzung zu Sonne und Wind effizienter garantieren können.
Nicht so, wenn sich ein großer Teil der 8,5 Millionen Haushalte in Nordrhein-Westfalen den Schildbürger-Slogan der Energieagentur NRW zu Herzen nähme. Dann wäre von Überkapazitäten an Kraftwerken europaweit bald keine Rede mehr. Denn an den kältesten Tagen kann man ebenso gut in Schildbürger-Manier den Mond zum Heizen einfangen wollen wie die Sonne. So jedenfalls führte an Kapazitätsmärkten bald kein Weg mehr vorbei.
Ganz anders, wenn die Häuser mit hohen solarthermischen Deckungsraten Schule machten, denen sich das Solarthemen-Sonderheft Nr. 435 widmet: Sonne füllt Speicher – Strom treibt Pumpe – mit Saisonalspeicher gern auch die Wärmepumpe.

Guido Bröer

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One comment

  1. Karl-Heinz Huesing

    Herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Sonderheift 435.
    Der Trend zu immer mehr Wärmepumpen-Stromheizungen wird irgendwann dazu führen, dass wir im Winter große Stromkapazitäten benötigen, die regenerativ nicht abgedeckt werden können. Das wird dann zu Forderungen führen die AKW’s wieder anzuschalten oder mehr Kohle zu verstromen.
    Die Radiowerbung der Energieagentur NRW für die Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik ist erschreckend banal. Der Effekt wird die Installation einer uneffektiven Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage sein, die im Winter nie den hohen Strombedarf abdecken wird. Die Unzufriedenheit der so beratenen Kunden mit ihren dann hohen Energiekosten wird dann gegebenfalls auf die PV-Branche zurückfallen.
    Wir sind wegen dieser unsinnigen Werbeaktion aus der Kampagne Photovoltaik NRW ausgetreten.
    Für uns ist die sinnvolle Kombination von Sonnenwärme und Solarstrom der richtige Weg. Am Besten natürllich als ein Sonnenhaus mit einer Deckung der Solarthermie von über 50 Prozent von Heizung und Warmwasser.