Vom Erhalt der Solarindustrie in Europa

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Andreas Witt

„Einfach faire Wettbewerbsbedingungen. Mehr braucht man nicht.“ Das sagt Frank Asbeck, der Vorstandsvorsitzende der SolarWorld AG im Solarthemen-Interview zu der Frage, was die Politik tun sollte, um die europäische Solarindustrie zu unterstützen. In den USA scheint das, was Asbeck unter Fairness versteht, für sein Unternehmen besser zu funktionieren. Die us-amerikanische Regierung verhält sich gegenüber chinesischen Einfuhren von Solarmodulen weitaus regider als die Europäische Union, obwohl es auch die Europäische Kommission als bewiesen ansieht, dass chinesische Unternehmen mit Dumpingpreisen und unzulässig subventioniert von ihrer Regierung am Markt agieren.
Allerdings ist Fairness immer auch eine Frage des Standpunkts. Europäische Großhändler und Installateure sprechen sich häufig für eine ungehinderte Einfuhr chinesischer Solarprodukte aus. Das werde die Preise senken und so der Solartechnologie früher zu größeren Anteilen am Energiemix verhelfen. Sie übersehen dabei aber, dass  auch sie Zeit brauchen, um sich auf ein sinkendes Preisniveau einzustellen. Wenn Module und Wechselrichter schnell billiger werden, dann lässt sich gerade in der derzeitigen Situation ohne Mengenwachstum in Europa der mit den billigen Preisen verbundene Umsatzschwund nicht so leicht ausgleichen. Es ist dann einfach gesagt, schlicht zu wenig Geld im Solarmarkt, um die bestehenden Strukturen mit einigen Zehntausend Arbeitsplätzen zu erhalten. Jobabbau, Insolvenzen und eine weitere Unternehmenskonzentration sind die Folge.
Frank Asbeck, der Schlossbesitzer und Maseratifahrer, ist nicht einfach nur ein netter Mensch, wenn er Fairness auf dem Weltmarkt fordert. Es geht ihm um die Interessen von SolarWorld. Und sein Engagement für einen nicht so freien Welthandel hat sich in den USA für ihn wohl ausgezahlt. Das wünscht er sich auch für Europa. Und die jüngste Entwicklung gibt ihm Recht. Die Freiburger Solar-Fabrik AG musste sich jüngst auch deswegen ins Insolvenzverfahren begeben, weil der Preisdruck die Margen zu stark drückte. Ein paar Cent mehr je Watt und einige Firmenpleiten in den vergangenen zwei Jahren wären wohl zu vermeiden gewesen.
Leider ist mit jeder innereuropäischen Insolvenz und jedem Fortzug von Produktionskapazitäten nach Asien (wie gerade von Q-Cells) der Wettbewerb innerhalb Europas gesunken. Gerade dieser Wettbewerb auf Basis ähnlicher Ausgangsbedingungen aber ist wichtig, um die globale Konkurrenzfähigkeit unserer Unternehmen zu bewahren.
Wir könnten sonst recht bald gezwungen sein, die vorgeschlagene X-Gigawatt-Solarfabrik als einzigen Ausweg zu begreifen. Auf die deutsche Vorschlagsliste für den europäischen Investitionsfonds hat sie es schon geschafft. Denn wie wollte man sonst den großen Solarfabriken in China begegnen? Das scheint auch die deutsche Regierung inzwischen so zu sehen. Allerdings würde dann der chinesischen Subvention mit europäischer Subvention begegnet. Der Wettbewerbsfähigkeit der noch existenten mittelständischen Solarindustrie würde man gerade mit einer solchen Fabrik von Europas Gnaden aber nicht unbedingt einen Gefallen tun. Gute Industriepolitik sollte in die Breite wirken – und das beste Mittel dazu sind stabile Rahmenbedingungen und ein möglichst fairer Wettbewerb.

Andreas Witt

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