19.08.2018

Kommentar zu gemeinsamen Ausschreibungen Wind & PV

Bitte keine falschen Schlüsse ziehen!

Während erstmals bei zwei zeitgleichen EEG-Ausschreibungen die Photovoltaik in ihren Stromgestehungskosten sogar in deutschen Klimaverhältnissen die Windkraft unterbietet, veröffentlicht die Bundesnetzagentur die erste gemeinsame Ausschreibung von PV und Wind. Dieses im EEG 2017 als Experiment verwirklichte Lieblingsprojekt der EU-Kommission kommt also, so könnte man meinen, gerade zum rechten Zeitpunkt. Stehen sich die beiden ungleichen Erneuerbare-Energien-Technologien doch nun offensichtlich auf Augenhöhe gegenüber. Und tatsächlich ist unter diesen Vorzeichen nicht mehr unwahrscheinlich, was Experten noch vor kurzem quasi ausgeschlossen hatten: dass die Zuschläge für die ausgeschriebenen 200 MW nach dem Gebotstermin am 3. April bunt gemischt an Solar- und Windparks gehen.
Doch Vorsicht! Dadurch wird die falsche Idee, die hinter diesen gemeinsamen Ausschreibungen steht, nicht richtiger. Wind und Photovoltaik sind keine Wettbewerber, sondern Mannschaftskollegen, deren Fähigkeiten sich ergänzen. Sie können nur im Team den Wettbewerb mit den fossilen Energien bestehen. Bayern München würde sich schließlich auch keinen Kader ohne Stürmer zusammenkaufen, nur weil Verteidiger möglicherweise billiger zu bekommen sind.
Die Zuschlagspreise bei den EEG-Ausschreibungen enthalten nicht die Nebenkosten eines regenerativen Energiesystems. Flexibilitätsbedarf und Verteilungskosten würden enorm steigen, wenn nicht auf einen ausgewogenen Mix zwischen Wind und Photovoltaik als den Hauptsäulen des neuen Energiesystems geachtet würde. Deshalb: Wenn schon EEG-Ausschreibungen, dann bitte weiterhin nach Technologien getrennt oder lieber gleich als Mannschaftswettbewerb für Kombikraftwerke inklusive Flexibilität und Speicher.

Ein Kommentar von Guido Bröer

Hinterlasse einen Kommentar